Das CFD bedroht die Warrants und die hohen Maklergebühren

Die CFD (Contracts for difference) werden den sehr profitablen Warrantmarkt erschüttern. Sie sind günstiger und transparenter. Damit werden sie Druck auf die Aktienkommissionen ausüben. Die schweizerischen Banken bieten sie bislang noch nicht an.

Die Anlegergemeinde beginnt erst schrittweise, sich für die "Contracts for Difference" (CFD) auf Aktien und Indizes zu interessieren. Zu stark ist man hierzulande noch mit den Warrants verbunden. Das Instrument CFD ist bei uns noch wenig bekannt, ist es doch erst vor kaum zwei Jahren in der Schweiz aufgetaucht. Keine der traditionellen schweizerischen Banken bietet das CFD bis heute an. Hinter diesem augenscheinlichen Desinteresse verbirgt sich nicht nur ihr Wille, den sehr profitablen Warrantmarkt nicht mit einem günstigeren und transparenteren Produkt zu gefährden. Nein, dahinter versteckt sich auch die Angst, dass das Instrument CFD einen Abwärtsdruck auf die Aktienkommissionen ausüben könnte.

Indessen hat das CFD bereits Grossbritannien erobert, wo die Privatanleger seit dem Ende des letzten Jahrzehnts davon Gebrauch machen können. Gemäss gewissen Schätzungen sollen rund 25% des Tagesvolumens der Londoner Börse heutzutage auf das Instrument CFD zurückzuführen sein. Das zugrunde liegende Tagesvolumen der von der Synthesis Bank gehandelten Titel beläuft sich auf rund 60 Millionen Schweizer Franken. Es sei hier daran erinnert, dass ein CFD dem Anlegenden die Möglichkeit gibt, den Gesamtwert einer Aktienposition zu halten. Dabei muss er nur eine Marge darauf entrichten (bis zu einem Zehntel der zugrunde liegenden Position), profitiert aber vom gesamten Gewinn. Es versteht sich von selbst, dass dieser Hebeleffekt im Gewinn- wie im Verlustfall zum Tragen kommt.

Leerverkauf

Die geringen Transaktionskosten, die beim Handel mit CFD anfallen, stellen unbestritten eine der Hauptattraktionen dieses Instruments dar. Die Kommissionen auf einem Kauf oder Verkauf eines CFD egal welchen Titels belaufen sich im allgemeinen auf 0,1% des Anlagebetrages. Damit sind sie deutlich niedriger als diejenigen, welche auf Warrants erhoben werden oder gar als die gewichtigen von den Banken belasteten Gebühren auf Aktientransaktionen (häufig über 1%). Was oft nicht erwähnt wird ist die Tatsache, dass es so niedrige Kommissionen dem Anlegenden schneller erlauben, die Gewinnschwelle bei einer Transaktion zu erreichen.  So ist er in der Lage, seine Position viel schneller mit Gewinn zu schliessen und die Anzahl von Verkäufen und Käufen von CFD leicht zu vervielfachen.

Auch ermöglicht das CFD dem Anlegenden, einen Leerverkauf vorzunehmen. Diese Transaktionsform ist im allgemeinen bei Warrants oder Aktien nicht zugelassen. Dieser Vertrag gewährt dem Anlegenden somit eine günstige Absicherung bei schwierigen Marktverhältnissen, da er die Möglichkeit hat, Titel zu verkaufen, die er nicht in seinem Besitz hat. Über den rein spekulativen Ansatz hinaus erweist sich diese Eigenschaft des CFD für einen institutionellen Anleger, der das Risiko einer bevorstehenden Börsenkorrektur bei einem bestehenden Portfolio absichern möchte,  als besonders interessant.

Instrument für einen Baissemarkt

Das CFD ist ein Vertrag, der keine begrenzte Laufzeit aufweist. Ein Warrant hat dagegen immer ein Fälligkeitsdatum, da es sich hierbei um nichts anderes als eine Option handelt. Dies hat zur Folge, dass der Wert des Warrants im Verlauf der Zeit immer deutlicher abnimmt (wenn der Preis des zugrunde liegenden Wertes nur geringfügig schwankt).

Es gilt hier jedoch hervorzuheben, dass ein Anlegender, der ein CFD erwirbt, es vermeiden sollte, dieses während eines zu langen Zeitraums zu behalten. Tatsächlich beinhaltet der Kauf eines CFD Folgekosten für das Halten der Position, da es sich bei dieser Transaktion um die Leihe von Titeln handelt, die der Anlegende nicht besitzt.  Diese Kosten belaufen sich in der Regel auf den Libor-Satz der jeweiligen Währung zuzüglich einer Prämie, die je nach Rating des zugrunde liegenden Titels unterschiedlich hoch ist. Zur Darstellung sei hier erwähnt, dass diese Kosten bei einer Anlage von 100'000 CHF auf der Nestlé Aktie  rund CHF 13 pro Tag betragen (abhängig vom Kurs, zu welchem die Nestlé Aktie gehandelt wird).

Falls der Anlegende sich zum Leerverkauf eines CFD entschliesst, fallen natürlich keine Haltekosten an. Infolgedessen wird nun klar, dass dieses Instrument in einem Baissemarkt nützlich ist.

Damit lässt sich auch teilweise die gewisse Zurückhaltung bei Anlegenden, deren Handelsstrategie lediglich im Halten von Haussepositionen besteht, erklären.

Option gegen Vertrag

Das Hauptproblem von Aktienwarrants ist ihr Mangel an Transparenz. Ein Warrant wird von einer Bank ausgegeben, die im allgemeinen ihrerseits die Bildung eines Kaufs- und eines Verkaufspreises sicherstellt (Market Maker). Wie bei jeder anderen Art von Option hängt der Preis des Warrants von der angewandten Formel (im allgemeinen Black and Scholes) und von seinen Parametern ab. Somit hat der Anlegende, der über kein leistungsfähiges Instrument zur Preisbestimmung verfügt, keine Möglichkeit, intuitiv den Wert seines Warrants in der Zukunft zu bestimmen.
 
Im Gegensatz dazu ist ein CFD keine Option sondern ein Vertrag. In diesem Fall entspricht der vom Anlegenden visualisierte Preis dem Kurs der zugrunde liegenden Aktie, bereinigt um die von der Bank erhobenen Kommissionen. Somit lässt sich sofort erkennen, auf welche Betragshöhe sich der Gewinn oder der Verlust belaufen.

Ausserdem hängt der Preis des Warrants vom Ausübungspreis der Option ab. Wenn sich der Kurs der zugrunde liegenden Aktie von diesem Ausübungspreis zu Ungunsten des Anlegenden entfernt (out of the Money), verliert der Warrant an Liquidität. Der Anlegende ist dann faktisch kaum mehr in der Lage, ihn zu verkaufen. Ein CFD beinhaltet keinen Ausübungspreis. Somit liegt hier kein Risiko für verringerte Liquidität vor, falls sich der Aktienkurs vom Kurs entfernt, zu dem der Anlegende seine Transaktion vorgenommen hat. Alles in allem lässt sich festhalten, dass sich das Eingehen einer Warrant Position nicht im geringsten lohnt, wenn der Warrant nicht "in the Money" ist, wenn der Emittent eine zu grosse Marge zwischen Kaufs- und Verkaufskurs stellt oder wenn die Handelstätigkeit auf dem Produkt begrenzt ist (mit Ausnahme derjenigen des Market Makers).

Das CFD ist ein in der Schweiz noch verkanntes Instrument. Die Möglichkeiten, die es zur Abbildung eines Portfolios zu geringen Kosten oder zur Absicherung von Kursschwankungen auf einem bestehenden Portfolio bietet, werden jedoch das Interesse einer immer zahlreicheren Kundschaft wecken. Diese wird nicht automatisch zur Hauptsache aus  Spekulierenden bestehen. Mit dieser Situation werden sich die traditionellen Banken früher oder später beschäftigen müssen, auch wenn dies den sehr einträglichen Warrantmarkt beeinträchtigen wird.

 

DAS CFD – DOPING FÜR DIE RENDITE  
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Schliessung Aktien CFD
Verkauf 233 à 440.00 233 à 439.56
Verkaufswert 102 520.00 102 417.00
Finanzierungskosten - 92.00
Gewinn 2413.00 2298.00
Gewinn in % der Startanlage 2,41% 22,99%
     
Kommission von 0,1% in den Kaufs-/Verkaufspreisen inbegriffen.

 

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